Emotionales Essen, besonders Stress- und Frustessen, ist für mich regelmäßiger ein echtes Thema. Ich weiß genau, wie gesunde Ernährung funktioniert, bis mich wieder in diesem einen Moment meine Emotionen überrollen und mein Essen kontrollieren. Mein echter Hunger ist gerade total uninteressant, denn wenn es in meinem Leben drunter und drüber geht oder mich Langeweile packt, müssen Nervennahrung und Glücksessen her. Glückskekse, happy hour im Kühlschrank, weil meine klaren Gedanken auf Urlaub sind. Mein emotional gesteuertes Essen, führt zu einem ungezügelten Kalorieninferno und langfristig zu mehr Pfunde, als ich brauche und ich mache mir tatsächlich auch Gedanken, außerhalb dieser Situation zu meiner Gesundheit. Das kennen bestimmt auch einige von Euch.

Sobald dich Stress überkommt, du traurig bist oder unter emotionalem oder körperlichem Druck stehst oder gelangweilt bist, musst du essen, obwohl du das gar nichts willst. Keine Sorge, so geht es wirklich einigen von uns. Ärger im Büro, dicke Luft zuhause oder übermäßige körperliche und seelische Belastung sind bekannte Auslöser für emotionsgesteuertes Essen.

Bereits in unserer Kindheit werden oft unbewusst Süßigkeiten bei Frust, Erfolg und Stress eingesetzt. Alleine das bildet im Gehirn eine optimale Grundlage, um im Erwachsenenalter schnelle Energielieferanten, wie Süßigkeiten und Chips, mit Emotionen zu verbinden. Somit kommt es fast automatisch zu einer Verankerung zwischen den empfundenen Gefühlen und einem gedachten Hungergefühl. Langfristig ist dieses Verhalten eine große psychische Herausforderung, damit aufzuhören ist keine leichte Aufgabe. Dieser Automatismus hat uns auch viele Jahre später, als Erwachsener, voll im Griff: Essen schüttet im Körper belohnende Hormone aus. Bereits bei unseren Vorfahren hat sich dieser natürliche Schaltkreis eingespielt. Wurde Beute zur Nahrungsversorgung eingefangen und genüsslich gemeinsam verspeist, kam es zu einer maximalen Dopamin-Ausschüttung. Nahrung hat Wohlbefinden, Zufriedenheit und Kraft geliefert, was wichtig für das Überleben war. Gemeinsam saß man vor dem Feuer und hat das frisch geröstete Fleisch in vollen Zügen genossen. Das gleiche Gefühl lösen heute Pizza, Chips und Schoki aus, mit dem Unterschied, dass meistens unser Nahrungs-Bewegungs-Verhältnis nicht angemessen ist.

Erkenne ich mein emotionales Essen, dann kann nur ich diesen Kreislauf unterbrechen:

Ruhig und Gelassenheit: einige Atemzüge ruhig und tief durchatmen.

Hinterfrage: Was ist gerade meine belastende Situation, habe ich überhaupt Hunger?

Umverteilen: Kann ich den Kreislauf nicht stoppen, nasche ich zuerst etwas Gesundes (Obst).

Ablenkung: 15 min Lieblingsmusik hören, Lieblingsmensch anrufen oder schreiben, Katzen streicheln, Wasser oder Kaffee trinken, eine kleine Runde laufen oder umhergehen, meditieren.

Genuss pur: Mein Lieblingsnaschkram genieße ich regelmäßig nach einer gesunden, sattmachenden Mahlzeit. In vollen Zügen. Ich zelebriere den Genuss.

Meine innere Stimme: Ich gebe mir die Chance, meinem Körper zu Wort kommen zu lassen. Höre auf körperlichen Hunger oder ob ich Appetit auf Naschereien habe.

Zeit

14. Oktober 2020
Zeit ist so ein interessantes Werkzeug, um auf der Matte zu spielen. Als ich anfing Yoga zu machen, brauchte ich Zeit, um mich rasch zu bewegen. Es gefiel mir nicht so sehr, Asanas über viele Atemzüge zu halten. Es entstand eine sehr reale Langeweile und Frustration, wenn ich gebeten wurde, still zu bleiben. Ich mochte Kurse, die mich in Bewegung hielten, und meine undisziplinierte Aufmerksamkeit auf sich zogen.


Es brauchte etwas Zeit, um die Verlangsamung zu zelebrieren – um einen Raum in mir zu schaffen, der stark genug war, um auszuhalten, um passieren zu lassen, um anzuhalten und zu schauen. Das heißt nicht, daß das Halten von Asanas wertvoller ist, als das Bewegen im Flow. Es bietet einfach eine andere spannend Perspektive.


Der offensichtlichste Vorteil von gehaltenen Asanas ist, daß du mehr Zeit hast. Anstatt sozusagen aus dem Koffer zu leben, kannst du deine Taschen auspacken und deine Kleidung in die Schubladen legen. Es ist Zeit, sich umzusehen, Fragen zu stellen und auf Antworten zu warten. Du kannst dich körperlich, geistig, emotional und energetisch ausbreiten. Längere Haltezeiten fördern deine körperliche Ausdauer und deine geistige Aufmerksamkeit. Du erhältst Zeit, Details zu bemerken und Ursache und Wirkung in Echtzeit zu beobachten. Im Üben des Haltens, entpuppt sich eine Asanas als wahrhaft unendlich – es gibt buchstäblich kein Ende für das, was du entdecken kannst.


Als Asanas (Sanskrit, n., आसन, āsana, „der Sitz“) werden überwiegend ruhende Körperstellungen im Yoga (besonders im Hatha Yoga) bezeichnet.


Als Flow werden überwiegend fließend aneinandergereihte Haltungen bezeichnet, jeder Atemzug eine neue Haltung. Die meditative Wirkung kommt in der Konzentration auf Ausführung und dem Einklang zwischen Atmung und Bewegung. 

Erleben

14. Oktober 2020
Es ist fair zu sagen, daß es eine breite Palette von Perspektiven gibt, was eine jahrelange und fortgeschrittene Yoga-Praxis ausmacht. Manche Menschen können beeindruckende Kunststücke der Akrobatik und zeigen extreme Bewegungsspielräume.


Meine persönliche Yoga-Praxis ist auch nach all den Jahren ziemlich einfach. Ich erfahre weiterhin, daß etwas, was einfach aussieht, nicht einfach ist. Tatsächlich denke ich, dass Yoga-Grundlagen wirklich sehr schwer sind. Ich mag es wirklich gern, ausgefallene Asanas zu erkunden, weil sie Spaß machen und weil sie mich auf viele nützliche Arten herausfordern – aber ich finde es immer wieder schön, daß ich zu den Grundlagen zurückkehre. Um ehrlich zu sein, habe ich es immer noch nicht wirklich geschafft, die irrsinnige Komplexität von der Krähe Bakasana zu überwinden.


Je mehr ich übe, desto mehr fühle ich mich jedes Mal wie eine Anfängerin. Ich könnte eine Menge über Bakasana schreiben – die Anatomie, die Ausrichtung, die Energie – und trotzdem habe ich die meiste Zeit das Gefühl, keine Ahnung zu haben, was in der Aasana mit mir vor sich geht. Und gerade deswegen ist es trotzdem jedes mal nur so: Wow, wenn ich sie halte. Es geht nicht um die Asana allein, sondern um die Erfahrung, die ich in ihr mache. Es ist die Qualität der Aufmerksamkeit im Moment, die den Grad der Raffinesse für mich bestimmt. 


Die Erfahrung hat mich gelehrt, daß Tiefe in einer Asana kaum an eine Yogaschüler weitergegeben werden kann. Sie kann nur enthüllt werden, wenn der Schüler bereit dazu ist. Wir alle haben unseren eigenen Momente – verschiedene Jahreszeiten, Umstände und Erfahrungen, die beeinflussen, wie und wann wir die Tiefen unserer Yoga-Praxis entdecken und damit wirklich in die Tiefen dessen reisen, wer wir sind.


Beim Fortgeschrittenensein geht es für mich nicht darum, eine Sammlung beeindruckender Körperhaltungen zu kultivieren. Es ist eine Haltung, ein Geisteszustand, die Bereitschaft, verletzlich zu sein. Fortgeschritten zu sein bedeutet für mich, sich der Yoga-Praxis mit dem Staunen und der Neugier eines Anfängers zu nähern. Wenn unsere Erfahrung in einer Asana unsere Seele berühren, kann dies unsere Bereitschaft zu unserer täglichen Yoga-Praxis, aber auch zu unserem Leben vertiefen.


Als Asanas (Sanskrit, n., आसन, āsana, „der Sitz“) werden überwiegend ruhende Körperstellungen im Yoga (besonders im Hatha Yoga) bezeichnet.